Musik zur Passion

Sa 23.03.2019 | 18.00h | Auferstehungskirche
Rosas Glaube an ein Leben vor dem Tod. Musik zur Passion I
Recital mit Klaviermusik & Liedern von Chopin bis Brecht/Eisler und Lorenz Trottmann
Michael Herrschel (Gesang & Texte), Sirka Schwartz-Uppendieck (Klavier)

Sa 30.03.2019 | 18.00h | St. Michael
Siehe, das ist Gottes Lamm - Kantaten von Telemann. Musik zur Passion II
Katrin Küsswetter (Sopran), Ingeborg Schilffarth (Alt), Joachim Baumann (Bass), Livia Wiersich & Anja Schaller (Violinen), Michael Webert (Viola da gamba), Johannes Brinkmann (Orgelpositiv)

Sa 06.04.2019 | 18.00h | St. Paul
Kreuzungen. Lichtpunkte. Musik zur Passion III
Dorothea Hofmann: Kreuzweg (UA). Mit Texten von Michael Herrschel und Lichtbildern von Karim Chaoui, Jean Chauvelot, Jürgen Durner, Matthieu Gauthier, Anja Molendijk, Arman Tadevosyan und Hjalmar Leander Weiss 
Sirka Schwartz-Uppendieck (Orgel), Michael Herrschel (Rezitation)

Fr 19.04.2019 | 15.00h | St. Michael
Musikalische Andacht zur Todesstunde 
A-cappella-Werke von Thomas Tallis und Francis Poulenc
Fränkische Kantorei, Ingeborg Schilffarth (Leitung)

Rückschau

In ihrem Konzert „Moments de Passion“ kombinierten Sirka Schwartz-Uppendieck und Michael Herrschel klassische französische Chansons mit spannenden Novitäten, wie die Fürther Nachrichten vom 6. März 2018 berichten. Höhepunkt ist „mit dem ‚Chanson de route‘ […] eine Uraufführung des in Nürnberg lebenden französischen Komponisten Claude Roth, drei weitere aus seiner Feder folgen; was sie eint, ist eine liedhaft-melodiöse Tonsprache mit ausdrucksstarker Klavierbegleitung. […] Als Chansonnier mit klangschöner Baritonstimme, als Schauspieler mit fein dosierter Mimik und Gestik sowie stimmlicher Ausdruckskraft auch beim Übergang in den Sprechgesang überzeugt Herrschel, ebenbürtig unterstützt von Sirka Schwartz-Uppendieck, die am Flügel weit über die Begleitfunktion hinaus eine famose Gestalterin ist. Beispielhaft […] der Schluss mit Edith Piafs temperamentvollem ‚Padam Padam‘. Begeisterter Beifall.“

Unter dem Titel „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt. Turbulenter Abend: ‚Seesturm-Lieder‘“ schildern die Fürther Nachrichten vom 23. Februar 2016 eine vielsprachige Revue für Stimme, Klavier & Orgel:
„‚Es kommt ein Schiff geladen‘. Viele Gesangbuchlieder verwenden Schiffe als Metapher. Zum Auftakt der alljährlich die Vor-Osterzeit durchmessenden Fürther Konzertreihe ‚Musik zur Passion‘ gaben KMD Sirka Schwartz-Uppendieck, Michael Herrschel und Kevin Wagner Seesturmlieder in der Auferstehungskirche zum Besten.
‚Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt… mit Volldampf auf die Klippe rennt.‘ Oder so ähnlich. Nein, so geht der Vers nicht weiter, aber es bietet sich an. Kein Wunder, schließlich beherbergt ein Schiff Menschen unterschiedlichster Herkunft auf engstem Raum, nur ein paar Zentimeter Holz trennen sie von den nassen Tiefen. Dabei habe die Passagiere ihr festes Land verlassen. Die Gefahr ist ihr ständiger Begleiter und der Wind, der in die Segel fährt, letztlich auch nur eine Metapher für den Geist Gottes.
Wer nun gedacht hat, dass hier einige bekannte Kirchenlieder mit Schiffssymbolik schön getragen und erhaben aufgeführt werden, sieht sich getäuscht. Stattdessen trägt Michael Herrschel zur Klavierbegleitung Songs vor wie ‚Shall we gather at the River‘. Dieses Lied kennt man aus alten Western von John Ford und Sam Peckinpah, ein Lied der Pioniere, die auf der Suche nach dem Paradies den Wilden Westen eroberten. Aber das Paradies nie fanden.
Mit den Verheißungen und Enttäuschungen des gelobten Landes geht es weiter: Antonín Dvořák hörte sich, von Heimweh geplagt, Spirituals der Schwarzen in Harlem an. Das inspirierte ihn zu ‚An den Wassern von Babylon‘, einem Lied, das Herrschels warmer Bariton sogar im originalen zungenbrecherischen Tschechisch meistert. Und das zum Volkslied aufgestiegene ‚Amazing Grace‘ verdankt seine Entstehung einem Gewissenskonflikt, nämlich der Bekehrung eines Stewards, der sich auf einem Sklavenschiff verdingt hatte.
Das alles hört sich sehr lebhaft und alles andere als feierlich und erhaben an. Stattdessen herrscht ein Geist der Aufmüpfigkeit, des Protests, ein musikalischer Geist, der in Bibel und Tradition nach den Disteln auf der Liederwiese fahndet. Und der nicht nur an den Gestaden Babylons fündig wird, sondern auch an den Ufern des Lech, wo der junge Bert Brecht einst Piratenlieder erdichtete. Entsprechend verwandelt auch Sirka Schwartz-Uppendieck den Flügel zum Schifferklavier und klimpert unerhörte Shantee-Verzierungen in den Kirchenraum.
Wo aber bleibt der Seesturm? Der braust aus den Orgelpfeifen, auf denen Kevin Wagner improvisiert, etwa über die Melodie zu ‚Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt‘. Den turbulenten Abend beschließt halbwegs versöhnlich ein Chanson von Georges Brassens, das Abschiedslied eines Mannes, der in vielerlei Gestalt zu seiner Liebsten übersetzen wollte. Ja, der Weg ist weit von einem Ufer zum anderen. Er hält Überraschungen bereit. Auch (kirchen-)musikalische.“

(Wiedergabe der Zitate mit freundlicher Genehmigung der Fürther Nachrichten)