Musik zur Passion

Die Tage werden länger. Zugvögel kehren aus dem Süden zurück. Noch ist die Natur schwarzweiß. Langsam sprießen erste Farben, erste Töne heraus.

Zwischen Aschermittwoch und Karfreitag laden wir Sie in der Reihe „Musik zur Passion“ zu kleinen Vorabend-Konzerten ein: mit Musik und Texten zum Nachdenken und Innehalten.

Sa 03.03.2018 | 18.00h | Auferstehungskirche
Moments de passion. Französische Chansons. Musik zur Passion I
Sirka Schwartz-Uppendieck (Klavier), Michael Herrschel (Gesang & Conférence)

Sa 10.03.2018 | 18.00h | St. Paul
Musik von Thomaskantoren. Musik zur Passion II
Fränkische Kantorei, Ingeborg Schilffarth (Leitung)

Sa 17.03.2018 | 18.00h | St. Michael
Judith-Lieder von Komponistinnen. Musik zur Passion III
Andrea Wurzer (Sopran), Maria Schalk (Violine), Michael Herrschel (Erzähler), Sirka Schwartz-Uppendieck (Klavier & Leitung)

Fr 30.03.2018 | 15.00h | St. Michael
Musikalische Andacht zur Todesstunde
Vokalensemble, Tobias Kraft (Leitung)

Rückschau

Unter dem Titel „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt. Turbulenter Abend: ‚Seesturm-Lieder‘“ berichtet Reinhard Kalb in den Fürther Nachrichten vom 23. Februar 2016:
„‚Es kommt ein Schiff geladen‘. Viele Gesangbuchlieder verwenden Schiffe als Metapher. Zum Auftakt der alljährlich die Vor-Osterzeit durchmessenden Fürther Konzertreihe ‚Musik zur Passion‘ gaben KMD Sirka Schwartz-Uppendieck, Michael Herrschel und Kevin Wagner Seesturmlieder in der Auferstehungskirche zum Besten.
‚Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt… mit Volldampf auf die Klippe rennt.‘ Oder so ähnlich. Nein, so geht der Vers nicht weiter, aber es bietet sich an. Kein Wunder, schließlich beherbergt ein Schiff Menschen unterschiedlichster Herkunft auf engstem Raum, nur ein paar Zentimeter Holz trennen sie von den nassen Tiefen. Dabei habe die Passagiere ihr festes Land verlassen. Die Gefahr ist ihr ständiger Begleiter und der Wind, der in die Segel fährt, letztlich auch nur eine Metapher für den Geist Gottes.
Wer nun gedacht hat, dass hier einige bekannte Kirchenlieder mit Schiffssymbolik schön getragen und erhaben aufgeführt werden, sieht sich getäuscht. Stattdessen trägt Michael Herrschel zur Klavierbegleitung Songs vor wie ‚Shall we gather at the River‘. Dieses Lied kennt man aus alten Western von John Ford und Sam Peckinpah, ein Lied der Pioniere, die auf der Suche nach dem Paradies den Wilden Westen eroberten. Aber das Paradies nie fanden.
Mit den Verheißungen und Enttäuschungen des gelobten Landes geht es weiter: Antonín Dvořák hörte sich, von Heimweh geplagt, Spirituals der Schwarzen in Harlem an. Das inspirierte ihn zu ‚An den Wassern von Babylon‘, einem Lied, das Herrschels warmer Bariton sogar im originalen zungenbrecherischen Tschechisch meistert. Und das zum Volkslied aufgestiegene ‚Amazing Grace‘ verdankt seine Entstehung einem Gewissenskonflikt, nämlich der Bekehrung eines Stewards, der sich auf einem Sklavenschiff verdingt hatte.
Das alles hört sich sehr lebhaft und alles andere als feierlich und erhaben an. Stattdessen herrscht ein Geist der Aufmüpfigkeit, des Protests, ein musikalischer Geist, der in Bibel und Tradition nach den Disteln auf der Liederwiese fahndet. Und der nicht nur an den Gestaden Babylons fündig wird, sondern auch an den Ufern des Lech, wo der junge Bert Brecht einst Piratenlieder erdichtete. Entsprechend verwandelt auch Sirka Schwartz-Uppendieck den Flügel zum Schifferklavier und klimpert unerhörte Shantee-Verzierungen in den Kirchenraum.
Wo aber bleibt der Seesturm? Der braust aus den Orgelpfeifen, auf denen Kevin Wagner improvisiert, etwa über die Melodie zu ‚Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt‘. Den turbulenten Abend beschließt halbwegs versöhnlich ein Chanson von Georges Brassens, das Abschiedslied eines Mannes, der in vielerlei Gestalt zu seiner Liebsten übersetzen wollte. Ja, der Weg ist weit von einem Ufer zum anderen. Er hält Überraschungen bereit. Auch (kirchen-)musikalische.“

(Wiedergabe der Zitate mit freundlicher Genehmigung der Fürther Nachrichten)